#WelcomeGrooves im Endspurt!

Mit ganz viel Herz ins letzte Drittel

Ein bisschen Bammel hatte ich ja schon, ob das mit unserem Audio-Sprachkurs mit Musik für Flüchtlinge auch alles so fix klappt, wie wir uns das vorgenommen haben. Aber unsere Projektgruppe ist dermaßen motiviert, dass selbst die schwierigsten Dinge im Nu in Angriff genommen und erledigt werden. Unser Aufruf im Netz letzte Woche, mit dem wir nach ÜbersetzerInnen suchten, war sehr erfolgreich: Fast alle Sprachen die wir anbieten wollen, sind jetzt abgedeckt, lediglich zum Gegenlesen könnten wir nochmal Bedarf haben.

So eine bunte Mischung wie in unserem Übersetzungsteam gibt es wohl kein zweites Mal: Wir haben eine Hochschulprofessorin aus Leipzig, einen Sportstudenten aus Teheran, eine Schauspielerin aus Bagdad, eine Sprachlehrerin aus Südafrika, die Initiatorin eines Hilfsprojektes in Peru, Gewerkschaftsmitarbeiter, Mitglieder eines Migrantinnen-Netzwerkes, StudentInnen, Theaterleute, KulturwissenschaftlerInnen, MuttersprachlerInnen aus Menschenrechtsorganisationen, eine Journalistin aus Afghanistan und betroffene Flüchtlinge – sogar eine ganze Schulklasse hat sich gemeldet um mitzuhelfen!

Die internationale Klasse

Davon möchte ich ein bisschen erzählen, denn der Besuch in der Klasse war schon sehr besonders. Die Lehrerin des Düsseldorfer Berufskollegs hatte mich über Facebook kontaktiert und ihre Hilfe angeboten, ich war sehr gespannt, was mich erwartet, wenn ich mit den #welcomegrooves im virtuellen Gepäck dort ankomme.

Mit Urdu, Somali, Twi, Russisch, Kurdisch und Arabisch könne Sie uns eventuell aushelfen, sagte Frau R. Ich treffe auf eine unglaublich herzliche und motivierte Gruppe von jungen Menschen, die trotz ihrer (fast immer) dramatischen Vergangenheit soviel Zuversicht und Interesse ausstrahlen, dass es mich umhaut. Ziemlich ernsthaft sind sie, können aber auch rumalbern, so wie andere Jugendliche in ihrem Alter. Zum Glück!

Die Grooves, die ich Ihnen als Muster mitgebracht habe, gefallen Ihnen auf Anhieb gut, das mit der Musik klappt! Fast alle spielen auch selber ein Instrument oder singen gerne. Shadi zeigt mir auf seinem Handy einen YouTube-Clip, in dem er mit einem eigenen Rap auftritt. Sprache und Musik, sind ganz wichtige Themen für Ebrahim, Anastasia, Leyla, Mirwais und Eleonora.

Gina und Nour sind sehr begeistert von unserem tollen interaktiven Formular, in das die Übersetzungen eingetragen werden können und probieren es direkt aus. Glücklicherweise lässt sich ganz fix Persisch und Arabisch auf meinem Laptop installieren, nur mit der afrikanischen Sprache Twi müssen wir nochmal schauen, da fehlen ein paar Sonderzeichen.

Babylon in Düsseldorf

Einige der jungen Leute sind extrem sprachbegabt, haben in sehr kurzer Zeit schon ziemlich gut Deutsch gelernt und können darüber hinaus noch einige andere Sprachen sodass eigentlich die ganze Zeit ein wilde Übersetzerei im Gange ist, von Deutsch nach Englisch über Arabisch ins Kurdische … Handys mit diversen Apps sind immer parat und wichtig. Und dann gibt’s noch die gute alte Schultafel. Das steht dann etwas sehr, sehr Schönes und Wichtiges – das war so ziemlich das erste, was die Schüler lernen wollten, sagt Frau R. Das Wort für Liebe.

Internationale_Klasse09_ILD
Über die persönlichen Schicksale können wir jetzt nicht mehr sprechen, keine Zeit dafür, denn die Stunde geht zu Ende. Ich erfahre nur nebenbei, dass einer der Schüler sich alleine zu Fuß von Russland nach Deutschland durchgeschlagen hat und einige in der Turnhalle der Schule leben. Das Problem mit dem Frühstück hat Frau R. dann auch noch nebenbei gelöst. Das gab’s dort nämlich um 8 Uhr morgens und dann fing ja eigentlich der Unterricht an. So eine Lehrerin kann man sich nur wünschen, finde ich. Und die Jungs und Mädels hätte ich am liebsten gleich alle adoptiert.

Genauso wie Abshir, Nofa, Merhawit, Riadh, Mario, Enzu, Fithawi und Aranshi, die ich auch noch kennenlernen durfte – in einer weiteren Klasse. Alle diese jungen Menschen sind schon einen sehr weiten Weg gegangen, unvorstellbar. Ich wünsche mir für sie alle, dass es von jetzt an ein sicherer sein möge und sie eine gute Ausrüstung dazu erhalten. Eine Ausbildung, einen Arbeitsplatz, Freunde und Familie. Geht mal hin, sie wohnen nebenan, auch bei euch!

Einen Job als ÜbersetzerIn haben sie ja jetzt schon mal 😉 Unser ganzes #welcomegrooves-Team und ich freuen uns schon auf die ersten Ergebnisse.

Ich glaube unser Sprachkurs wird eine gute Sache! Ach ja, die Sprachaufnahmen sind schon am nächsten Dienstag – dann werden wir jetzt schnell mal die Musik aussuchen. Mehr dazu demnächst hier … oder folgt uns auf Facebook oder Twitter!

Herzlichst
Eva Brandecker und das #welcomegrooves-Team

Fotos © Christine Sommerfeldt

Alles über die #welcomegrooves

Kommentare 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.