1. Dezember – Deutsch

1. Dezember – Deutsch

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Deutschland, im Dezember 2015:
Wenn ich in der Suchmaschine das Wort „Willkommen“ eingebe, erhalte ich 138 Millionen Ergebnisse – bei „Willkommen“ und „Flüchtlinge“ sind es immerhin noch über 9 Millionen Ergebnisse.

Europa im Jahr 1980: Wie viele junge Studenten liebe ich das Reisen und möchte gerne fremde Länder und Kulturen kennenlernen. Mit VW-Bus, Super Laune und Reservekanister touren wir drei Mädels durch Griechenland, Jugoslawien, Italien, Spanien … Wenn man mich fragt, woher ich komme, laviere ich herum und verstehe es selber nicht – wieso ist es mir quasi „peinlich“ eine Deutsche zu sein?

„Wie heißt du?“. „Eva? Ah, wie Eva Braun!“ man lacht freundlich. Wirklich freundlich, denn dass ich mit „braun“ nichts am Hut habe, sieht man schon alleine an meinem Alter.

Wir werden von wildfremden Menschen eingeladen, bei ihnen zu essen, zu wohnen, uns zu waschen. Wir sind ebenso erfreut wie fassungslos: Warum machen die das? Haben die denn keine Angst, dass wir sie berauben oder ausnutzen?

Ich gewöhne mich daran. Deutsche sind eben anders, nicht so gastfreundlich … ja, Angst ist wohl auch mit im Spiel. „Der Feind hört mit!“ hatte meine Großmutter noch parat.

Unsere Reisen stehen unter einem guten Stern, wir fühlen uns sicher, willkommen. Momente, die wir nicht vergessen werden. Gastfreundschaft, das war bisher ein komisches Wort ohne Inhalt. Und womit haben wir es denn verdient? Dass es darum nicht geht, dämmert mir langsam, damals in den 80-er Jahren.

Archivbild eb Kluse
Die Autorin (1. v.l. ) vor einer ihrer ersten größeren Reisen

Deutschland im Dezember 2015: Ich bin Deutsche und ich bin sehr froh darüber, in einem Land zu leben, in dem das Wort „Willkommen“ nicht nur eine Worthülse ist, sondern gelebt und gefühlt wird.

Ich meine, das Wort hat hier eine neue Bedeutung erlangt und ich fände es sehr schön, wenn es das Wort des Jahres 2015 würde, liebe GfdS! *

Eva Brandecker
Produzentin/Verlegerin
www.thegrooves.de

 

Im Sommer 2015 entstanden in einer ehrenamtlichen Gemeinschaftsproduktion 6 Lektionen „Deutsch lernen mit Musik“ für Flüchtlinge. Mit diesen welcomegrooves wollen wir die Menschen, die zu uns kommen, freundlich willkommen heißen und ihnen helfen, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. Bitte unterstützt sie dabei. 😀 Danke!

Wir freuen uns über eure Kommentare!

Kommentare 4

  • Danke, liebe Eva, das hast du sehr schön gesagt! Und danke für die Grooves und die WelcomeGrooves!

    Willkommen – ein super Wort des Jahres! Ich bin dafür.

    Liebe Grüße

    Brigitte

  • Liebe Eva,

    eine schöne Idee, dein Adventskalender <3

    Und eine willkommene (!) Gelegenheit, sich mal das Wort "Willkommen" genauer anzusehen. Ich hab so einen kleinen Spleen und würde am liebsten all die "Herzlich Willkommen" mit dem Rotstift anstreichen, die ich auf der Straße sehe. Aber ich denke mir dann: ach komm, die meinen das mit dem Willkommen eben so ganz von Herzen, dass sie es unbedingt groß schreiben wollen.

    Schön ist auch die Etymologie des Wortes.
    Im Mittelhochdeutschen: willekomen, das Spätalthochdeutsche sagte willechomen. Beides beruht auf einer Zusammensetzung des Substantivs → Wille und einer früheren Partizipialform von → kommen; es bedeutet demnach so viel wie „nach Willen (= Wunsch) gekommen"

    Ganz herzliche Grüße und eine schöne "wortreiche" Adventszeit wünsche ich dir
    Anke

    • Hihi** man könnte ja auch sagen „willkommen“ wird bei uns neuerdings großgeschrieben 😉 Danke für deine Gedanken zur Herkunft des Wortes!

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