11. Dezember – Englisch

Ach ja, Englisch. Kann jeder, kennt jeder. Was soll daran so spannend sein? Da muss man schon mal ans andere – schönste – Ende der Welt reisen, um mit einer speziellen Variante in Berührung zu kommen: nach Neuseeland.

Neuseeland wurde relativ spät von Europäern systematisch besiedelt – bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts hatten sich nur wenige von ihnen im „most remote country on earth“ niedergelassen. Kein Wunder, dauerte doch die Schiffspassage von Europa aus rund 100 Tage, und besonders einladend war es da unten zu der Zeit auch nicht: das Klima rau, die Küsten gefährlich, und die rund 100.000 dort lebenden Māori galten als nicht sonderlich gastfreundlich.

Noch ein Māori-Wort: Der Pōhutukawa blüht zur Weihnachtszeit im neuseeländischen Sommer und wird daher auch New Zealand Christmas Tree genannt. Quelle: Pixabay
Noch ein Māori-Wort: Der Pōhutukawa blüht zur Weihnachtszeit im neuseeländischen Sommer und wird daher auch New Zealand Christmas Tree genannt. Quelle: Pixabay

Berichte von üppigen Wal- und Seehundvorkommen und Goldfunde lockten dann im 19. Jahrhundert Walfänger, Pelzhändler, Goldgräber und andere Abenteurer vornehmlich aus Großbritannien ins Land. Und die brachten ihre englischen, schottischen und irischen Zungenschläge mit. Interessanterweise vermischten diese sich rasch zu einem relativ einheitlichen neuseeländischen Akzent, der schon Ende des 19. Jahrhunderts Schulinspektoren zur Beschwerde veranlasste, das neuseeländische Englisch habe einen „colonial twang“, der sich zu weit vom kultivierten British English entfernt habe. Aber Sprache lebt, und so kümmerte sie sich nicht um diese Bedenken.

Hinzu kamen Einflüsse aus dem Māorischen, der Sprache der Ureinwohner. Sie wurde lange durch die europäischen Einwanderer unterdrückt, erlebte aber in den 1980er Jahren eine Renaissance und ist seit 1987 die zweite Amtssprache Neuseelands (neben Englisch und der neuseeländischen Gebärdensprache). Die gebräuchlichsten Māori-Wörter und -Redewendungen sind z. B. kiwi (der Vogel, die Frucht und die Neuseeländer selbst), kia ora (Hallo), haka (der durch die neuseeländische Rugbymannschaft All Blacks bekannt gewordene Kriegstanz) und hangi (in der Erde gegartes traditionelles Gericht). Viele weitere sind in der Alltagssprache verankert.

Für meine das Britische vorziehenden und mit dem Amerikanischen hadernden Ohren klang das neuseeländische Englisch beim ersten Kontakt zwar irgendwie vertraut, aber verstanden habe ich erst mal nicht viel. Vielleicht lag es an den widrigen Umständen, denn mit 30 Stunden Anreise in den Knochen wären die Erläuterungen des Wohnmobil-Verleihers zu den Funktionen des Gefährts auch in lupenreinem Standard-Englisch schwer zu verstehen gewesen. Doch auch in ausgeschlafenem Zustand machten es die Vokal-Lautverschiebungen manchmal schwierig, den Sinn zu erfassen. So wird z. B. pan zu pen, pen zu pin und pin wie pun ausgesprochen. Da kann man schon durcheinanderkommen!

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Nin’s Bin – kultiger Langusten-Imbiss kurz hinter Kaikoura. Preisfrage: Wie spricht man das in NZ möglichst stilecht aus? Auflösung: Nun’s Bun 🙂

Doch wie bei den meisten Varianten einer Sprache, die man eigentlich gut kann, muss man sich auch ins Kiwi-Englisch einfach reinhören. Zum Beispiel hier: Ein nettes Video zu neuseeländischen Höflichkeits- und Begrüßungsfloskeln – mit Aussprachehinweisen: https://www.youtube.com/watch?v=2njkHmKGSEk

Und wer es eilig hat, kann die Aussprache auch in 30 Sekunden lernen: :-))))

Wer es ganz genau wissen möchte, dem sei dieser ausführliche Artikel aus der Encyclopedia of New Zealand ans Herz gelegt – spannende Erläuterungen und einige interessante Hörbeispiele: http://www.teara.govt.nz/en/speech-and-accent

Annette Lindstädt


Vielen Dank für den interessanten Exkurs und für deine unschätzbare Mitarbeit an den welcomegrooves, liebe Annette! Wirklich ein traumhaft schönes Land! Kannst du denn jetzt schon richtig gut Kiwi-Englisch? Zeit genug hast du ja gehabt, es zu lernen. Den neugierigen Lesern sei verraten, dass Annette regelmäßig monatelang in NZ unterwegs ist und auch darüber bloggt. Unbedingt lesen: http://www.rumreiserei.de.


In der heutigen Verlosung  gibt es den Audiokurs „Englisch lernen mit The Grooves – Small Talk“ (leider nicht mit Kiwi-Englisch, sorry). Durch einen Kommentar hier unter dem Beitrag nehmt ihr an der Verlosung teil – vielleicht habt ihr ja auch von einer Reise zu erzählen? …

Am 24. Dezember starten wir mit der Verlosung und ihr bekommt noch am selben Tag einen Downloadlink per Mail. Viel Erfolg!


Über welcomegrooves: Im Sommer 2015 entstanden in einer ehrenamtlichen Gemeinschaftsproduktion 6 Lektionen „Deutsch lernen mit Musik“ für Flüchtlinge. Mit diesen welcomegrooves wollen wir die Menschen, die zu uns kommen, freundlich willkommen heißen und ihnen helfen, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. Bitte unterstützt sie dabei. 😀 Danke!
Zur Englisch-Übersetzung der welcomegrooves-Lektionen >>
Vielen Dank an Julia Ritter und Julia James für die Übersetzungs- und Korrekturarbeiten!

Wir freuen uns über eure Kommentare!
Eva Brandecker + das welcomegrooves-Team


Teilnahmebedingungen:
An der Verlosung darf jeder teilnehmen, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.
Die Teilnahme erfolgt durch einen Kommentar unter dem jeweiligen Beitrag.
Wir behalten uns vor Spam-Kommentare und Kommentare mit unangemessenen Inhalten zu löschen. Die Beurteilung obliegt dem Seitenbetreiber.
Die Adventskalender-Aktion beginnt am 01.12.2015 und endet am 24.12.2015 um 10 Uhr.
Die Gewinne sind nicht übertragbar und nicht in bar auszahlbar.
Die Gewinner werden vom Brandecker Media Verlag per Los, also nach dem Zufallsprinzip ermittelt.
Die Gewinne werden den Gewinnern nach Abschluss der Aktion per Post zugesandt oder bei einem Downloadgewinn per E-Mail übermittelt.
Wir freuen uns über Mehrfachteilnahme am selben Tag und über das Teilen des Gewinnspiels, dies hat aber keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Es ist auch nicht Voraussetzung für die Teilnahme an der Verlosung.
Mit der Teilnahme an der Aktion erklären Sie sich mit den o.g. Bedingungen einverstanden.

Kommentare 2

  • Neuseeland? Schön, sympathisch und ´lieblich´. Hat jede Menge tolle Tiere/Pflanzen zu bieten. Hat mir damals sehr gut gefallen. Schade, dass es so weit weg ist :)…

  • Meine frühere Mitbewohnerin hatte auch so ihre Probleme mit dem neuseeländischen Englisch. Als sie ankam, fragten ihre Gasteltern sie, ob sie gerne duschen möchte. Also eine ganz einfache Sache eigentlich, und sie hat trotzdem eine Weile gebraucht, bis sie verstanden hatte, was die beiden von ihr wollten. Scheint also eine sehr interessante Englischvariante zu sein.

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