14. Dezember – Portugiesisch

Begegnungen mit Portugiesisch –
oder warum Fleiß manchmal nicht reicht, um eine Sprache zu erlernen.

Es war schon im letzten Jahrtausend (nämlich 1999) als ich im Rahmen meines Sozialpädagogik-Studiums ein Semester in Brasilien verbrachte. Da ich dort in einem Projekt arbeiten wollte, musste ich natürlich Portugiesisch lernen.

Die erste Begegnung mit dieser für mich fremden Sprache hatte ich in Deutschland an meiner Fachhochschule, wo glücklicherweise zwei Brasilianerinnen im gleichen Studiengang wie ich studierten. Die beiden hilfsbereiten Kommilitoninnen versuchten, mir ganz locker und so nebenbei Portugiesisch bzw. Brasilianisch beizubringen. Erst sehr viel später verstand ich, dass das absolut nicht dasselbe ist.

Das anstrengende am gemeinsamen Sprachunterricht war unter anderem, dass ich das Deutsch meiner beiden Lehrerinnen kaum verstand. Vor allem die eine der beiden hatte die Angewohnheit, jede Wortendung zu verschlucken. So wurde aus Schule „Schul“ oder aus Münster, wo wir studierten, „Müns“ und so weiter und so weiter.

Ich dagegen bemühte mich seit meinen ersten Krippenspiel-Erfahrungen in der Kirche um eine deutliche Aussprache. Ich hatte für mich angenommen, möglichst alle Worte bis zum Ende zu sprechen und nicht aus Worten wie nicht „nich“ zu machen. Und so wie ich Deutsch spreche wollte ich nun auch die portugiesische Sprache akzentuieren…

Spätestens als ich in Brasilien ankam wurde mir schnell klar, dass meine „ach so sorgfältige Aussprache“ genau das Gegenteil von dem bewirkte, was ich eigentlich erreichen wollte: Man verstand mich nicht. Immer wieder wurde ich gebeten, mich zu wiederholen und umgekehrt verstand ich die Brasilianer kaum. Es ergaben sich jede Menge Verwirrungen und ein weiteres Problem kam hinzu: Ich kann den Buchstaben „R“ einfach nicht rollen. Egal wie ich mich bemühte, bei mir hört sich ein „R“ immer wie ein kehliges „H“ oder „CH“ an.

caruaru-postkarten-collage

Dafür hatte ich mir allerdings den falschen Ort ausgesucht. Ich verbrachte nämlich mein Semester im Nordosten Brasiliens im Bundesstaat Pernambuco. Genauer gesagt in der Stadt Caruaru. Bitte einmal so aussprechen: „Ka-rrrru-a-rrrru“. Bei mir klingt das ungefähr so: „Ka-hhhu–a-hhhuuu“.

Vielleicht könnt ihr euch ein wenig vorstellen, wie verständnislos die brasilianischen Taxifahrer mich anblickten, wenn ich versuchte ihnen zu erklären, wohin ich wollte …

Aber die portugiesische Sprache hatte für mein „R“-Problem noch mehr auf Lager: Die Worte für Auto (carro) und für das Adjektiv teuer (caro) unterscheiden sich nur dadurch, dass das carro (Auto) mit gerolltem „R“ gesprochen wird und das Wort caro (teuer) mit einem weichen sanften unauffälligen „R“, das sogar ich meiner Kehle entlocken kann.

favela-caruaruZu meinem Projekt in Brasilien gehörten Interviews, die ich mit Bewohnern in einer der so genannten Favelas, also Armutsviertel, am Rand der Stadt Caruaru (Ka-rrrru-a-rrrru) geführt habe. Da es mir sehr schwer fiel, mich mit den Menschen dort zu verständigen, begleitete mich immer eine Mitarbeiterin der Einrichtung, für die ich arbeitete. Diese konnte zwar auch nur Portugiesisch sprechen, aber war besser in der Lage, sich auf mein „bisschen Portugiesisch“ einzustellen, als die meist wenig gebildeten Leute in der Favela es konnten. Wie sie mir nach einigen der Interviews erzählte, haben unsere Gesprächspartner sie oft gefragt, warum ich denn so komisch spreche. Ob ich vielleicht krank sei. Ich würde so kehlig sprechen… „Hat sie ein Problem im Hals?“

Ja, ja, so hatte ich mich früher meiner guten Aussprache gerühmt und war nun ziemlich gescheitert.

Eine Sache jedoch tröstete mich: Einer der Mitarbeiter in der Einrichtung, für dich ich dort gearbeitet habe, erklärte mir, dass er sich besser mit Menschen aus Spanien unterhalten könne, als mit Portugiesen. Zwar seien die Worte zum Teil etwas anders, aber die Aussprache der Spanier sei doch erheblich näher an der brasilianischen Sprechweise.

Zu meiner Freude bewahrheitete sich das Jahre später bei einem Aufenthalt in Portugal. Sicher war auch dort meine Aussprache nicht wirklich landestypisch. Aber die portugiesisch sprechenden Europäer verstanden mich tatsächlich etwas besser… In Spanien versuche ich aber lieber mit Englisch weiter zu kommen.

Merke: Vokabeln lernen allein reicht manchmal nicht.

Fotos + Text: Daniela Dombrowski


Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht aus der Vergangenheit, liebe Daniela. Die Aussprache des português brasileiro ist wirklich sehr speziell, das habe ich auch bei den Sprachaufnahmen zu meinen Audiokursen festgestellt. Aber eben auch wegen Ihrer Sanftheit bestens geeignet für die tollen Bossa Novas 😉


Gewinnspiel: Dann ratet mal, was es heute zu gewinnen gibt, damit ihr die Aussprache wunderbar trainieren könnt? Durch einen Kommentar hier unter dem Beitrag nehmt ihr an der Verlosung teil – Viel Glück! Am 24. Dezember starten wir mit der Verlosung und ihr bekommt noch am selben Tag einen Downloadlink per Mail.


Über welcomegrooves: Im Sommer 2015 entstanden in einer ehrenamtlichen Gemeinschaftsproduktion 6 Lektionen „Deutsch lernen mit Musik“ für Flüchtlinge. Mit diesen welcomegrooves wollen wir die Menschen, die zu uns kommen, freundlich willkommen heißen und ihnen helfen, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. Bitte unterstützt sie dabei. 😀 Danke!
Viele Flüchtlinge aus Afrika sprechen Portugiesisch, deshalb gibt es auch eine portugiesische Übersetzung der welcomegrooves-Lektionen >> Übersetzt wurde von Monika Ottermann, der wir vielmals dafür danken.

Wir freuen uns über eure Kommentare!
Eva Brandecker + das welcomegrooves-Team


Teilnahmebedingungen:
An der Verlosung darf jeder teilnehmen, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.
Die Teilnahme erfolgt durch einen Kommentar unter dem jeweiligen Beitrag.
Wir behalten uns vor Spam-Kommentare und Kommentare mit unangemessenen Inhalten zu löschen. Die Beurteilung obliegt dem Seitenbetreiber.
Die Adventskalender-Aktion beginnt am 01.12.2015 und endet am 24.12.2015 um 10 Uhr.
Die Gewinne sind nicht übertragbar und nicht in bar auszahlbar.
Die Gewinner werden vom Brandecker Media Verlag per Los, also nach dem Zufallsprinzip ermittelt.
Die Gewinne werden den Gewinnern nach Abschluss der Aktion per Post zugesandt oder bei einem Downloadgewinn per E-Mail übermittelt.
Wir freuen uns über Mehrfachteilnahme am selben Tag und über das Teilen des Gewinnspiels, dies hat aber keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Es ist auch nicht Voraussetzung für die Teilnahme an der Verlosung.
Mit der Teilnahme an der Aktion erklären Sie sich mit den o.g. Bedingungen einverstanden.

Kommentare 1

  • Der Bericht erinnert mich gerade an meine Zeit in Spanien. Damals hatte ich mit zwei Freundinnen zusammen zwei Portugiesen kennen gelernt. Meine spanischen Freundinnen und ich sprachen kein Portugiesisch, und die Portugiesen kein Spanisch. Einer von beiden sprach immerhin fließend Englisch, nur sein Freund konnte nichts außer Portugiesisch – und Pantomime. Aber das hat zur Verständigung irgendwie doch ausgereicht.

    Und, liebe Daniela, das Problem mit dem gerollten R kenne ich nur zu gut … Manchen Menschen ist es einfach nicht gegeben.

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