17. Dezember – Farsi

Weihnachten in Persien – dem heutigen Iran

Im Februar 1975 lande ich in Teheran. Hier werde ich meinen persischen
Freund heiraten und zwei meiner drei Kinder zur Welt bringen.
Preview aus www.leheran.de

Teheran liegt im Norden von Persien. Eine Gegend, in der es alle vier Jahreszeiten gibt, so auch den Winter. Es schneit bis in die Stadt hinein, die in einem Talkessel liegt und die Berge laden zum Skifahren ein – mancher sagt: schöner als in der Schweiz. Die Temperaturen sind etwas milder als in Deutschland und täglich strahlt die Sonne vom hellblauen Himmel. Das macht gute Laune!

Video © Lutz Berger


Rituale in meiner neuen Heimat

Ist in Deutschland der Dezember der letzte Monat des Jahres, so ist es in Persien der Februar. Der Schnee in den Bergen beginnt zu schmelzen, fließt in die Täler und in die Stadt. Manchmal regnet es.
Im Februar, vier Wochen vor dem wohl wichtigsten Fest in Persien, beginnen die Vorbereitungen für „Nourouz“ (neuer Tag), das Neujahrsfest. Denn am 21. März beginnt mit dem Frühling alles Leben neu. Nicht um Mitternacht Punkt zwölf, sondern der Jahreswechsel findet zur Tagundnachtgleiche statt, der Zeitpunkt wird von Astronomen errechnet. Ich finde das wunderbar.

Es wird überall geputzt, entstaubt, Altes und Belastendes entsorgt. Sogar Schulden werden möglichst abbezahlt. Zum Neujahrsfest gehört das „Sabze“, das Tage vorher zum Keimen angesetzt wird. Noch ist Winter und auf den Straßen gibt es heiße Maronen oder gekochte süße Rote Beete. Ein Hauch von Weihnachtsmarkt. Natürlich kein Glühwein, den gibt es hier nicht, auch nicht zu Zeiten des Shahs. Dafür duftet es nach Hyazinthen und frischen Kräutern. Kekse backen, Einkaufen bis der Kühlschrank platzt, Geschenke besorgen, Kochen und alles dekorieren, ist mir bekannt.

Persian New Year Table, Haft Sin/ Photo ©Pejman Akbarzadeh, Wikipedia
Persian New Year Table, Haft Sin/ Photo ©Pejman Akbarzadeh, Wikipedia

Ich lerne nicht nur die Geschichte und Hintergründe des Neujahrsfestes kennen, sondern damit verbunden, auch jede Menge Neues. Schöne Rituale, aber auch Herausforderungen und neue Spielregeln in meiner neuen Heimat. Es hat für mich etwas von Weihnachten und Neujahr zusammen und sogar Ostern mischt mit. Mit dem wichtigen Unterschied, dass mit dem Fest keine Person, kein Heiliger assoziiert ist.

Weihnachtsimprovisationen
Das bekomme ich zu spüren, als ich dann Monate später im Dezember nach einem Weihnachtsbaum frage. Es gibt keine Tannenbäume und die Geburt von „Isa“ (Jesus) feiern wir hier schon gar nicht. Und warum soll man einen lebenden Baum abschlagen?

Das muss ich erst einmal sacken lassen, denn ich hatte mich doch auf die gemütliche Weihnachtszeit gefreut. Es gibt keine Vorweihnachtszeit, keinen Advent. Obwohl es eine wunderschöne Kirche in Teheran gibt und man uns Europäern in den Geschäften ein fröhliches „Merry Christmas“ hinterher ruft. Es blinkt quietschig, kitschig amerikanisch hier und da, aber das erreicht mich gar nicht. Zum Glück lassen gefüllte Lebkuchenherzen im deutschen Supermarkt das wehmütige Herz höher schlagen, wenn auch für teures Geld. Kerzen gibt es in Weiß, sie finden Verwendung bei Notfällen, wenn der Strom ausgefallen ist. Mir gefällt es, gemütlich bei Kerzenschein zusammen zu sitzen, aber die Menschen hier suchen gleich nach dem Lichtschalter. Dunkelheit schlägt ihnen aufs Gemüt.

Vanillekipferl © Christiane Amini
Vanillekipferl © Christiane Amini

Dann machen wir eben selbst Adventsstimmung! Ich fang schon mal an, die Weihnachtskekse zu backen, so wie früher mit meiner Mutter und zuletzt für Nourouz. Der Duft zieht verführerisch durchs Haus. Mit meinen deutschen Freundinnen genießen wir sie beim Tee und überlegen, wie wir denn unser Weihnachtsfest organisiert bekommen. Und zwar mit Tannenbaum (gut, mit einer Kiefer) am 24. Dezember und nicht wie die Amerikaner am 25. oder wie die Armenier und Russisch-Orthodoxen, die am 6. Januar ihren Baum ins Haus holen.

Philosophieren bei Tee und Gebäck
Bei leckeren, süßen Plätzchen und diversen Gläsern Tee sprechen mein Schwiegervater und ich über Rituale, zum Beispiel auch über die von Nourouz. Er weiß immer so viel und ich lausche ihm gerne.

„Nourouz ist ein altpersisches Fest, ein Brauch, der auf den persischen Propheten und Religionsstifter Zarathustra zurückgeht und mindestens 3000 Jahre alt ist. Der Koran kam erst vor einigen Jahrhunderten dazu. Mhm, und Jesus ist auch ein Prophet …“

Und das ist meine Sternstunde. „So ein Tannenbaum ist auch für mich ein Brauch. Diesen Brauch gibt es erst seit einigen Jahrzehnten aber „Hasrate Isa“ wie der Prophet Jesus im Koran heißt, ist doch viel früher geboren und hat nichts direkt mit dem Baum zu tun.“

Noch einen Tee, noch ein paar Kipferl. Ich weiß nicht, ob wir alles durcheinander gebracht haben aber in einem bin ich mir sicher: Vanillekipferl sind einfach gut und können Wunder bewirken.

Christiane Amini


Liebe Christiane, was für ein spannenden Rückblick auf deine Zeit in Persien. Das macht ja so unglaublich neugierig und deshalb bin ich froh, dass wir es demnächst auch in Buchform lesen dürfen! Wir freuen uns auch sehr, dass du für die welcomegrooves die Übersetzung für Farsi übernommen hast, Danke!


In der heutigen Verlosung  gibt es den Audiokurs „Arabisch lernen mit The Grooves – Groovy-Basics“ in der Downloadversion zu gewinnen, denn Farsi gibt es ja noch nicht. Durch einen Kommentar hier unter dem Beitrag nehmt ihr an der Verlosung teil – vielleicht auch aus einem „anderen“ Leben …

Am 24. Dezember starten wir mit der Verlosung und ihr bekommt noch am selben Tag einen Downloadlink per Mail. Viel Erfolg!


Über welcomegrooves: Im Sommer 2015 entstanden in einer ehrenamtlichen Gemeinschaftsproduktion 6 Lektionen „Deutsch lernen mit Musik“ für Flüchtlinge. Mit diesen welcomegrooves wollen wir die Menschen, die zu uns kommen, freundlich willkommen heißen und ihnen helfen, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. Bitte unterstützt sie dabei. 😀 Danke!
Zur Farsi/Dari Übersetzung der welcomegrooves-Lektionen >>
An der Farsi Übersetzung haben Christiane Amini, Moh und noch einige andere mitgewirkt. Ihr könnt es auch für Dari verwenden, denn geschrieben wird es ziemlich ähnlich.

Wir freuen uns über eure Kommentare!
Eva Brandecker + das welcomegrooves-Team


Teilnahmebedingungen:
An der Verlosung darf jeder teilnehmen, der das 18. Lebensjahr vollendet hat.
Die Teilnahme erfolgt durch einen Kommentar unter dem jeweiligen Beitrag.
Wir behalten uns vor Spam-Kommentare und Kommentare mit unangemessenen Inhalten zu löschen. Die Beurteilung obliegt dem Seitenbetreiber.
Die Adventskalender-Aktion beginnt am 01.12.2015 und endet am 24.12.2015 um 10 Uhr.
Die Gewinne sind nicht übertragbar und nicht in bar auszahlbar.
Die Gewinner werden vom Brandecker Media Verlag per Los, also nach dem Zufallsprinzip ermittelt.
Die Gewinne werden den Gewinnern nach Abschluss der Aktion per Post zugesandt oder bei einem Downloadgewinn per E-Mail übermittelt.
Wir freuen uns über Mehrfachteilnahme am selben Tag und über das Teilen des Gewinnspiels, dies hat aber keinen Einfluss auf die Gewinnchance. Es ist auch nicht Voraussetzung für die Teilnahme an der Verlosung.
Mit der Teilnahme an der Aktion erklären Sie sich mit den o.g. Bedingungen einverstanden.

 

Kommentare 2

  • Interessant und danke!

  • Wow, interessanter Artikel!
    Ich wusste nicht, dass es in Teheran auch schneit…
    Und einen Arabischkurs könnte ich sehr, sehr gut gebrauchen, um mich mit den Teilnehmenden meiner Sprachkurse besser zu verständigen – oder sie wenigstens ein bisschen zu beeindrucken 😉
    Übrigens: Ich empfehle welcomegrooves in allen meinen Kursen weiter – und viele nutzen sie auch oft und gern!!!
    Liebe Grüße und weiter so,
    Jutta

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