Bosch Beach – die Oper

Es ist noch schwer geheim, aber auf unserer Blogger/Pressereise #grenzverkehr, durften wir mal für ein paar Minuten Opernprobe-Luft schnuppern. Das LOD Muziektheater, eine Institution die gerade 25 geworden ist, liegt auf dem wunderschönen Gelände von „de Bijloke“ in Gent (später darüber mehr). Seit Wochen probt man dort an einem Sahnestück. „Bosch Beach“ – schon der Titel dieser modernen Oper lässt die Phantasie sprießen …

Himmel auf Erden und Hölle im Himmel

Eine Menge großartiger KünstlerInnen haben sich zusammengetan und bringen den geheimnisvollen niederländischen Maler der Renaissance, Hieronymus Bosch, auf die Bühne und an unsere Urlaubsstrände. Bosch, der in seinen Darstellungen meisterhaft und wie besessen Fragen zu Moral und Schuld, Himmel und Hölle und zur Wirklichkeit  thematisierte, liefert mit seinem Werk „Die sieben Todsünden“ eine perfekte Vorlage für 14 MusikerInnen, 3 SängerInnen und eine Bühne.

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Interview mit dem Team von „Bosch Beach“ und Pinnwand in der Kantine

Ein Libretto wie Espresso

Der Dramaturg Kristof Van Baarle und die Pressesprecherin Magalie Lagae erzählen uns beim Pressetermin mit Begeisterung und großem Ernst von der Entwicklung des Projektes. Es ist keine Oper im herkömmlichen Sinne. So gab es, in einer ungewöhnlichen Reihenfolge, zunächst das Libretto, das nur 7 Seiten umfasst und die Musik folgte danach. Eine Herausforderung für den Komponisten Vasco Mendonça, der sich als Katalysator sieht, und mit experimenteller Instrumentierung (Didgeridoo, Congas, elektronischer Musik) die Impulse und Halluzinationen Boschs verarbeitet.

Auch für Dimitri Verhulst, von der Presse als schwarzer Romantiker mit kompromissloser Schreibe gelobt, ist die Oper Neuland. Verhulst ist für seinen – oft auch groben – Sprachgebrauch bekannt, man kann gespannt sein auf sein Libretto.
Den bildenden Künstler und Regisseur Kris Verdonck fasziniert die Ambivalenz in Boschs Werk. Neben der Grausamkeit findet sich ja gleichermaßen absurder Humor und Bosch malte oft Triptychen – links und rechts Himmel und Hölle  – aber was befindet sich in der Mitte? Was ist das für ein Ort zwischen Realität und Phantasie? Vielleicht die Bühne, die Kunst?

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Fragen, die die Oper „Bosch Beach“ stellt. (Probenfoto)

Moral und Sünde

Auf der Bühne eine Frau und zwei Männer im unschuldigen Urlaubsvergnügen auf Lampedusa. Eine Insel wie ein Paradies, die Lifestyle-Touristen plagen Problemchen wie die richtige Biersorte, der Hangover am Morgen und besserer Sex. Am Strand werden Leichen angespült. Es ist nicht der Bildschirm vor deinem Sofa sondern das Panorama vor deinen Zehen. Am Abend Samba und Disco. Zwei Welten auf einer Bühne.

Haben sich Hieronymus Bosch und seine Zeitgenossen dieselben Fragen gestellt wie wir heute? Ist Moralität heute überhaupt (noch) möglich? Wie sieht die Hölle auf Erden heute aus? Der weiße Sandstrand, ein Ort zum Chillen oder eine Stätte des Sterbens für viele …? Gibt es Schuld?

Bosch Beach - der letzte Song der Oper
Bosch Beach – der letzte Song der Oper. (Probenfoto)

 

Im Moment wird jeden Morgen geprobt, das gleichzeitige Singen und Tanzen soll zur Routine werden. Alles ist noch roh und die Luft riecht und klingt nach Kulissencharme. Ein Blick durchs Schlüsselloch … die Inszenierung macht mich neugierig, auch ein Bosch’sches Feuer wird es auf der Bühne geben, ein Bühnenfeuer. In Deutschland zu sehen am 12. und 13. Oktober 2016 in Frankfurt im Mousonturm. Weitere Termine im europäischen Ausland.

Wir treten hinaus in die Sommerluft von Gent und warten auf den Bus, der uns abholen soll. Im Kopf einen Ohrwurm, „Di-his-co for the hips, Di-his-co for the hips …“ Am benachbarten Tanztheater wird Requisite angeliefert, eine Rentnergruppe schaukelt in einem Bötchen auf der Leie. Woanders an den Stränden landen Menschen. Unsere Wirklichkeit.


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Text und Fotos © Eva Brandecker – 2016

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