Wo die Poesie mit den Wimpern klimpert

Unsere Presse-und Bloggerreise #grenzverkehr startet in Antwerpen ganz freundlich mit strahlend blauem Himmel. Ausgesprochen nett, dieser Empfang, und von Düsseldorf aus ist es ja wirklich nur ein Katzensprung (ein steenworp).

Ein rascher Gang durch den imposanten Bahnhof Antwerpen Centraal überzeugt mich aus dem Stand, dass ich es hier mit einer Stadt zu tun habe, deren Architektur, Geschichte und Lebendigkeit magische Züge trägt. Wie gut, dass mein mitreisender Bloggerkollege Marc Lippuner das hier schon so schön beschrieben hat, denn auch er wurde mit großem Bahnhof empfangen. 😉 Angeblich soll ja König Leopold II. 1905 bei der Eröffnung des Bahnhofs gesagt haben C’est une petite belle gare.“ (Das ist ein netter kleiner Bahnhof) – ein wahrhaft königliches Understatement.

Antwerpen war mal eine der größten Städte der Welt und die Boulevards und Plätze im Zentrum spiegeln das sehr überzeugend. Ich rattere mit meinem Rollköfferchen und ganz altmodisch per analogem Stadtplan Richtung Hotel. Diamantenviertel und Zoo lasse ich erst einmal links liegen, ich muss wohl noch mal wiederkommen …

Das Hotel liegt im Theaterviertel und – was für ein Omen – ein paar Meter vor dem Eingang werde ich haushoch mit einem Gedicht von Bart Moeyaert, dem diesjährigen künstlerischen Direktor des Gastlandauftrittes der Buchmesse, begrüßt. Quasi von meinem Gastgeber, denn der Ehrengast Flandern & die Niederlande hatte ja zu dieser Reise eingeladen. Einchecken mit einem Lächeln, dat is leuk!

Dieser Garten ist ein Gedicht

Am Nachmittag habe ich Zeit etwas durchs Viertel zu streifen und nicht weit entfernt lockt mich ein Duett von Palme und Fahrrad in ein verwunschenes Fleckchen. Verborgen hinter Mauern liegt der Garten der Dichter – hier kann man zwischen Pflanzen und Lyrik wandeln oder einfach nur staunen: „… kan u zelf op gedichtenwandeling.“, heißt es auf der Website. 14 Antwerpener DichterInnen haben sich hier von Blumen, Kräutern oder Bäumen lyrisch inspirieren lassen. Der ehemalige Stadtdichter Peter Holvoet-Hanssen hat z.B. eine eigenes Gedicht für den Garten geschrieben „De Tuin der Poëten“.
Neben vielen Tafeln mit Erklärungen über die teils seltenen Pflanzen, finden sich immer wieder auch welche mit Versen. Neben dem kleinen Teich mit Riesengoldfischen scanne ich einen QR-Code mit meinem Smartphone ein und kann mir den Text von Peters Gedicht durchlesen und es mir sogar vom ihm vorlesen lassen.

Der Dichter, der sich auch sonst sehr für das bedrohte Grün unsere Erde einsetzt, hatte während seiner Zeit als Stadtdichter die Idee für diese Umwidmung des Parks, der eigentlich „Den Botaniek“ heißt. „Ich wollte der Stadt einen ‚Jardín de los Poetas‘ geben, wie er auch in Buenos Aires existiert.“

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Ein zauberhafter Ort zum Zur-Ruhe-kommen, zum Lauschen, zum Lesen und vielleicht um ein bisschen selber zu poetisieren?

Auf dieser Reise werden wir noch mehr Poesie erleben und hören – und mir klingt die flämisch/niederländische Sprache sowieso sehr poetisch – etwas vertraut und doch sehr fremd und wild in den Ohren. Und manchmal auch sehr lustig.
Bart Moeyaert war übrigens 2006-07 auch einmal Stadtdichter von Antwerpen, so erklärt sich sicher auch das Gedicht am Gebäude von Hetpaleis (Theater + Schauspielschule für Kinder und Jugendliche) und Stadsschouwburg.

Über Den Botaniek
Nirgendwo sonst in Antwerpen finden sich so viele seltene Pflanzen und Kräuter. Ursprünglich wurde dieser Garten als medizinischer Fundus für das nahe gelegene St.-Elisabeth-Hospital von dem Apotheker Peter Coudenberghe (1517-1599) angelegt. Dank des Einsatzes von Arzt und Botaniker Claude-Louis Somme (1772-1855) entwickelte sich die einzigartige Sammlung weiter und wurde zu einem wichtigen Bereich für die Forschung. Von der wilden Zitrone bis zu seltenen Kakteenarten wachsen hier bis heute mehr als 2.000 Arten, exotische Pflanzen sowie ein Meer von Blumen – kein Wunder, dass sich die LyrikerInnen hier anregen ließen …



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Vielen Dank an Peter Holvoet-Hanssen, Bart Moeyaert und an Els Aerts von der flämischen Literaturstiftung 🙂

Text + Fotos @Eva Brandecker – 2016

 

 

 

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