Verlage als Musik- und Textschaffende

Meine persönlichen Anmerkungen zum Streit um die Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften

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Nach der VG-Wort folgt jetzt auch die GEMA. Aktuelles Urteil: Verleger dürfen nicht mehr an den Ausschüttungen beteiligt werden. Alleine die Urheber (Musikschaffende, Textschaffende, etc.) haben einen Anspruch auf Auszahlung der Tantiemen, die von den Verwertungsgesellschaften VG-Wort und GEMA eingezogen werden. 

Ich liebe alle meine Musiker und ihre kreativen Leistungen und schätze diese über die Maßen. Aber ohne meine Initiative und meine Kreativität, sowie mein unermüdliches (auch finanzielles) Engagement in Sachen Bearbeitung, Verwertung und Distribution hätte es die Werke, für die ich bisher Verlegeranteile erhalten habe, niemals gegeben und sie wären auch nicht über die Jahre hinweg erfolgreich gewesen. Für mich ein unfassbares Urteil und ein Dolchstoß für meinen Verlag. Es ist so schon schwer genug die Produkte heute an den Kunden zu bringen. Wenn diese Einnahmen nun auch noch wegfallen und horrende Rückzahlungen geleistet werden müssen, kann nichts mehr produziert werden. Die bisherige Regelung war Grundlage meines Geschäftsmodells und das gilt sicher auch für viele andere Musik- und Hörbuchverlage. Sie war meiner Meinung nach auch fair, wenn sie einvernehmlich zwischen Urheber + Verlag abgesprochen war.

Welchen Grund hätte es für mich als Verlegerin bei meiner Gründung geben sollen, daran zu zweifeln, dass das jahrzehntelang von Megainstitutionen wie GEMA und VG-Wort praktizierte Konstrukt keine rechtliche Grundlage haben sollte? 

Praktisch gefragt: Wenn ich als Fahrgast in die Straßenbahn steige, bin ich dann verpflichtet, vorher per RA überprüfen zu lassen, ob die Bahngesellschaft auch wasserdichte Verträge mit ihren Subunternehmern abgeschlossen hat? Vielleicht durfte man ja die Gleise oder Sitzplätze gar nicht mitbenutzen und ich muss jetzt für die letzten Jahre einiges für die Tickets nachzahlen?

Warum habe ich überhaupt einen Mitgliedsbeitrag als Musikverleger gezahlt, liebe GEMA? Habt ihr keine klugen Rechtsanwälte, die die juristischen Voraussetzungen mal in all den Jahren gründlich überprüft haben? Sowohl Urheber, als auch Verleger vertrauten da in gutem Glauben auf eure Expertise als sie Mitglieder wurden.

Es gibt nicht „den Verlag“, es gibt unzählige unterschiedliche Modelle. Die einen nutzen mit wenig Aufwand die Erzeugnisse ihrer Autorinnen und Autoren, andere – und das sind nicht wenige – tragen einen ganz erheblichen Teil zum Endprodukt bei, sind Ideengeber, Sparringspartner und natürlich Distributoren. Den Autoren ist es ja überlassen, ihr Produkt selber auf den Markt zu bringen. Es geht hier nur um die Verwertungsrechte in den Fällen, in denen Autoren und Verlage zusammenarbeiten! Autorenhonorare sind wieder ein anderes Thema.

Sollte es nicht den Urhebern und Verlagen überlassen werden, welche Verwertungsvereinbarungen sie beschließen? Es sind mündige Partner. 

Eva Brandecker
Produzentin, Verlegerin und Text- und Musikschaffende.

*  Nachtrag: Ich bin gerne bereit, genaueres über den Herstellungsprozeß meiner Verlagsprodukte zu erzählen und zu begründen, wieso auch ich als Verlegerin, mich als Musik- und Textschaffende sehe. Und natürlich freue ich mich über Diskussionen hier in den Kommentaren. Kontakt  

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